Die Suche nach der Vollständigkeit

Jeder Mensch ist bewusst oder unbewusst auf der Suche nach Vollständigkeit. Der Buchautor Almaas, einer unserer Lehrer, sagt dazu:

 

"Wenn du dich als Unvollständigkeit erfährst, dann bist du dir deiner angeborenen Vollständigkeit nicht gewahr und verhältst dich wie jemand, der erfüllt werden muss. Fast alles, womit wir beschäftigt sind, ist ein Versuch, das Gefühl von Unvollständig-sein aufzuheben. Solange ihr glaubt etwas Bestimmtes haben zu müssen, um vollständig zu sein, seid ihr nicht vollständig."

 

Auch die spirituelle Suchbewegung oder der Wunsch nach Individuation, dem Reifen und Wachsen zu einer vollständigen Persönlichkeit, ist oftmals der Versuch etwas zu erreichen, um erfüllt zu werden.

 

Und hier befinden wir uns in einem grundsätzlichen Dilemma. Auf der einen Seite ist es gut und auch notwendig, dem Wunsch nach Vollständigkeit und Erfüllung aktiv zu folgen und dabei eine gewisse Anstrengung und Zielstrebigkeit aufzubringen. Andererseits gilt es diese Wahrheit, die Almaas so treffend ausdrückt, zu erinnern und zu be-greifen.

 

Die Vollständigkeit ist wie angeboren, gehört ureigen zu unserem menschlichen Wesen, liegt tief in unserem Inneren verborgen und muss imgrunde "nur" freigelegt werden.

Almaas gibt zwei Hinweise was diese "wahre" Vollständigkeit bedeutet und wie sie im Leben sichtbar werden kann:      

 

Vollständigkeit wird sichtbar in einem Menschen, der oder die sich in ihrer Mitte "in einer inneren Ruhe befindet, sodass Schmerz und Lust kommen und gehen, aber irrelevante Oberflächenphänomene sind." Er sagt nicht, das man dann keinen Schmerz mehr erleben würde.

 

Vollständigkeit ist ein Zustand, in dem es kein Bedürfnis mehr gibt, irgendetwas erreichen zu wollen oder irgendwo hin zu müssen oder irgendetwas loszuwerden.

 

Natürlich ist dies ein hohes Ziel. Manche mögen es Erleuchtung nennen. Wir finden es jedoch wichtig, diese "Wahrheit" im Auge zu behalten und niemals zu vergessen, denn sie macht eine Beruhigung und gibt einen Hoffnungsschimmer. Das was wir eigentlich wirklich suchen ist imgrunde ganz nah. So wie die Sufis es in einem Bild ausdrücken:

 

"Gott ist dir näher als deine Halsschlagader"

 


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